Außenwirkung und Selbstsicherheit: Beautybummel in München

In ein paar Tagen habe ich Geburtstag. Einer meiner Wünsche war, gute und exklusive Produkte zu testen. Diesen Wunsch habe ich mir erfüllt!

Beautybummel in München: eingekauft

Dazu bin ich an einem freien Tag nach München gefahren. In ein paar Läden und Parfumerien bin ich durchgeschlendert. Da ich dekorative Kosmetik ausprobieren wollte, hatte ich blos einen Hauch Foundation in meine Feuchtigkeispflege gemischt. Die dunklen Stellen unter den Augen hatte ich kaschiert und alles mit etwas Puder fixiert. Ich hatte sozusagen die Leinwand bereitet für das, was da kommen sollte.

Das, was da kam, waren durchgestylte Vekaufsdrohnen in schwarzen Hosen, weißen Blusen, mit kreischrotem Lippenstift, perfektem Lidstrich und viel zu dünnen Augenbrauen. Ich kam mir – fast ungeschminkt – sehr verwundbar vor. Meine Haut ist ölig-trocken, ich habe Unterlagerungen, Rötungen, kleine Pickelchen und dazu noch Male vom Erkältungsausbruch von vor zwei Monaten (was meine Haut im Kieferbereich immer ganz aus der Fassung bringt). Es gab also viele Ansatzpunkte, mir etwas gutes zu tun, obwohl meine Haut gerade besser aussieht als sonst.

Fast jede der Verkäuferinnen wollte mir etwas aufschwatzen, die eine für trockene, die zweite für ölige, die dritte für Mischaut. Einmal waren die Foundations, die ich nutzen sollte, fettfrei, ein andermal riet man mir zu Mineralpudern. Einmal hatten die Mineralpuder eine starke Deckkraft, ein andermal waren sie eher wie ein getönter Puder zu verstehen (beide Male waren es jedoch Mineralfoundations!). Meine Einwände, dass meine Haut Alkohol und Glycerin am besten in Abwesenheit verträgt, wurden oft glatt überhört. Oder ich bekam zur Antwort: „So ein Produkt gibt es nicht!“ Bronzer und Konturpuder wurden synonym verwendet, und das eine oder andere mal konnte man damit sogar Rouge ersetzen. Äh, nein. Konturpuder simuliert Schatten, Bronzer simuliert Bräune, Rouge simuliert Wangenröte. Man kann das vielleicht zweckentfremden, aber im Sinne des Erfinders ist es nicht.

Unglaublich, was da draußen in der Wildbahn frei herumläuft, und welchen Mist manche Damen erzählen, um ihren Umsatz zu steigern. Oder, noch schlimmer: weil sie es nicht besser wissen.

Der Höhepunkt meiner Verletzlichkeit kippte in dem Moment, als eine Dame sagte: „Da müssen Sie komplett Pflege und Make-Up umstellen, ihre Haut sieht im Schläfenbereich schlimm aus.“ Ich war nassgeregnet, unterzuckert, gestresst, und darum ganz und gar nicht schlagfertig. Denn verglichen zu den letzten zwei Monaten sieht meine Haut verdammt gut aus! Bitte nicht falsch verstehen: ich bin dankbar für jeden Tipp, mit dem ich meine Haut ins Gleichgewicht bekomme. Damit sie sich selbst besser regulieren kann und ich weniger überschminken muss. Doch in diesem Moment hat mich der Spruch einfach sehr, sehr verletzt. Alle diese Frauen haben nicht meine Haut, sie stecken nicht in mir drin, nicht in meinem Alltag, haben nicht meine Ansprüche oder Probleme. Das was sie wollen (verkaufen) ist nicht das, was ich will (besser aussehen durch gesündere Haut oder besseres Make-Up).

Organic Luxury in München

Als letzten Laden während meines München-Ausflugs habe ich Organic Luxury besucht. Zuerst war ich noch verunsichert, denn der Laden ist wirklich hell, geräumig, luxuriös. Nach den Diskussionen und mit angekratztem Selbstwertgefühl wollte ich einfach nur stöbern und gar nicht reden. Darauf hat man im Laden auch Rücksicht genommen, und ich konnte mich in Ruhe umsehen. Mit Petra bin ich aber doch schnell warm geworden: bei manchen Produkten habe ich nach Informationen und um Rat gefragt, und sie hat mich ernst genommen. Ein Segen! Nach wenigen Minuten war ich wieder ganz ich selbst und habe mich selbstverständlich zwischen Tata Harper, Susanne Kaufmann und Rose-Marie Swift bewegt.

Fast meinen gesamten Einkauf habe ich bei Organic Luxury erledigt, denn in diesem Laden war ich mir sicher, dass mir niemand etwas aufschwatzt. Das nächste Mal, wenn ich Schminke bummeln gehe, werde ich nicht auf Minimalismus setzen, um evtl. ein Blush oder einen Lidschatten in Aktion zu sehen. Nein, ich werde ein dezentes Make-Up auflegen. Es macht für mich einen Unterschied wie Tag und Nacht, ob ich geschminkt bin, oder nicht:

links ungeschminkt, rechts geschminkt

Ich weiß, im Grunde ist es dämlich, sich über sein Äußeres zu definieren. Doch wenn ich in weniger als zehn Minuten von der Frau links im Bild zu der Frau rechts im Bild werden kann, wäre es genauso dämlich, sich aus trotz nicht zu schminken. Jeder nimmt im Leben Rollen ein, ob er will oder nicht. Auf der Arbeit bin ich technische Redakteurin, bei Bekannten die Skandinavistin und Buchhändlerin, Freunde sehen mich als Kumpel zum Serienschauen und lecker Kochen, daheim bin ich Ehefrau und bei meiner Mama werde ich immer die jüngste Tochter sein.

Wenn ich also nicht so selbstsicher bin wie ich gerne sein würde, oder mich in unbekanntem Terrain bewege, werde ich mir einen Teil meiner Souveränität durch Make-Up erkaufen. Fake it ‚till you make it! Nach ein paar Minuten finde ich mich selbstbewusst in meine Rolle ein, die der beautyverrückten Bloggerin mit grünem Gewissen.

11 Comments

Filed under Naturkosmetik, Zeitgeist

11 Responses to Außenwirkung und Selbstsicherheit: Beautybummel in München

  1. Ich finde das ganz und gar nicht dämlich, liebe Karin. Ich persönlich bin ein Mensch, der sich auch ohne Make Up in seiner Haut wohl fühlt. Trotzdem gibt es Situationen, in denen es ungemein hilft die eigene Selbstsicherheit zu stärken. Es ist nämlich leichter stark und selbstbewusst aufzutreten, wenn man sich rundum wohl fühlt in seiner Haut. Und wenn das heißt, dass man beispielsweise für einen Termin seine Augenringe kaschiert, die einen daheim oder beim Einkaufen nicht stören, dann ist das so. 🙂

    Liebe Grüße,
    Jenni
    pretty green woman hat kürzlich gebloggt: [Gedanken zu] Ein Bloggerevent und ein LogoMy Profile

  2. Ein toller Beitrag! Ich kann mir die Situation nur zu gut vorstellen, da hätte ich mich bestimmt auch unwohl gefühlt. Schön, dass dein Tag dann doch noch so positiv ausging. 🙂

    Auf Makeup kann ich – abgesehen von Mascara – grundsätzlich gut verzichten (und tue dies am Wochenende auch oft), aber es macht einfach viel zu viel Spaß und kann dem Selbstbewusstsein auch Auftrieb geben. Außerdem habe ich morgens nur bedingt Zeitdruck und solange ich keine Kinder habe, verplempere ich gern ein bisschen Zeit im Badezimmer. 😀

    Liebe Grüße
    Ida
    Herbs & Flowers hat kürzlich gebloggt: Seelentröster: Aromatherapie gegen Stress, Trübsal und graue TageMy Profile

  3. Dankeschön für eure lieben Kommentare, Jenni und Ida.

  4. Liebe Karin, was für ein toller, persönlicher Blogpost!
    Deine Selbstzweifel kennt wohl jeder in der ein oder anderen Situation! Gerade wenn man mal Hautprobleme hat (wobei deine Haut für mich nicht problematisch aussieht (: …) und dann auch noch verletztende Sprüche kommen, die das Offensichtliche bestätigen, von dem man insgeheim gehofft hatte, dass es vielleicht doch niemand außer dem selbstkritischen Ich sieht, fühlt man sich doch leicht niedergeschlagen. Ich selbst schminke mich derzeit auch bei jeder Gelegenheit, einfach um das „Beste“ aus mir und meiner Haut herauszuholen. Ich hätte aber auch kein Problem damit ungeschminkt rauszugehen, aber wie du schon schreibst: wenn es nur 10 min dauert und man sich danach (noch) wohler fühlt ist es doch nicht verkehrt (: .
    Ich bin übrigens überhaupt kein Freund von Kundenberatung in solchen (großen) Beautygeschäften, denn meistens weiß ich selbst ganz genau was ich möchte und als Beauty-Verrückte macht man sich ja auch sehr viel Gedanken darüber was einem steht etc, sodass ich schnell genervt bin, wenn mir jemand etwas völlig anderes „aufschwatzen“ will ^^ . Wenn man nach Beratung verlangt ist das ja in Ordnung, aber ich renne immer schon weg, wenn ich eine „freundliche“ Verkäuferin auf mich zusteuern sehe x) …deshalb shoppe ich am liebsten online oder in eher anonymen Geschäften (: . Liebe Grüße.
    Theresa vom Projekt Schminkumstellung hat kürzlich gebloggt: Getestet: Sante Zahngel Vitamin B12My Profile

  5. ich glaube, du sprichst vielen von uns aus dem Herzen. Dieses Halbwissen von vielen (sicher nicht allen) Verkäuferinnen finde ich auch total furchtbar. letztendlich sind wir für uns selbst dann meist doch die besten Experten. Und ich kenne das Gefühl vom monströsen Unterschied, zwischen geschminkt und ungeschminkt sein. ich glaube wir alle würden gern auch ohne super aussehen, aber das geht eben nicht oder nicht immer… da bin ich einfach froh, dass ich mich an miesen Tagen mit etwas Hilfe so einfach verwandeln kann 🙂
    die Ente hat kürzlich gebloggt: Dermatherm Protective moisturizing balm – ProductreviewMy Profile

  6. Ich finde das auch nicht dämlich. Ich fühle mich auch mit Makeup selbstsicherer und ich finde es toll, dass wir als Frauen die Möglichkeit dieser zusätzlichen Verschönerung haben. Warum also nicht?!

    Habe übrigens auch Technische Redaktion studiert, lustig. Kleine Welt :-))
    Ginni hat kürzlich gebloggt: Pink loves PurpleMy Profile

  7. Liebe Karin,
    GENAU! Danke für diesen Post! Danke für Deine Worte! Danke dafür, dass Du aussschreibst, wie es sicherlich vielen – aber vor allem mir – geht!
    Ich lasse mich gern von Verkäuferinnen beraten, die ich schon eine Weile kenne bzw die auf mich einen kompetenten Eindruck machen. Soll heißen, sobald ich das Gefühl habe, dass sie mir etwas aufschwatzen wollen, gehe ich. Tipps sind gut, aber man selbst hat schon viel ausprobiert und kennt seine Haut wohl am besten. Die Zicken, die Macken, die Wehwehchen!

    Ich finde es auch total toll, dass Du sagst, dass Du dich mit Makeup selbstsicherer fühlst. Ich mich auch! Das macht einfach was mit mir. Ich will nicht für andere mich schminken, ich mach das allein für mich. Weil ich mich gut fühle und selbstsicher!

    Ich freue mich für Dich, dass Dein Tag eine positive Wendung genommen hat.

    Grünste Grüße
    Fräulein Immergrün hat kürzlich gebloggt: Mystic Green GlowMy Profile

  8. Liebe Karin,
    ich kann Dich so gut verstehen! Mir geht es ähnlich. Ich fühle mich am wohlsten und selbstbewusstesten, wenn ich mich im Spiegel so sehe wie ich mich sehen möchte. Manchmal ist das mit Make Up, manchmal ohne, manchmal sind meine Haare hochgesteckt, manchmal sind sie offen. Es gab bei mir auch eine Zeit, in der ich mich ohne Make Up sehr verletzlich gefühlt habe. Und nur ungeschminkt in eine Douglas-Filiale zu gehen, ist das Dümmste, was ich machen kann. Ich fühle mich von den „durchgestylten Verkaufsdrohnen“ (das trifft es ja mal SO genau!) nicht ernst genommen. Und das alles nur, weil ich nicht so künstlich aussehe wie sie und noch Wert auf echte Augenbrauen lege. Jede sagt etwas anderes und jede ist mir unsympathischer als die davor – und doch sind sie alle austauschbar.
    Und genau hier kommt das Tolle an Naturkosmetik- und Bioläden. Die Leute dort verkaufen nicht nur Produkte, sondern Ideologien mit Sinn. Dort nimmt man sich Zeit, hat oftmals wirklich fundierte Kenntnisse und ist niemals herablassend.
    Und noch eins: Da gibt es doch diesen einen Spruch, der bei längerem Überlegen gar nicht so kitschig klingt: „Sei Du selbst. Alle anderen gibt es schon.“
    Liebe Grüße,
    Nessie
    Nessie hat kürzlich gebloggt: Unter der Lupe: benecos-LookMy Profile

  9. @ All:
    Euer Zuspruch tut mir ungemein gut, ich fühle mich nicht mehr allein mit meiner Sichtweise! So super-schlimm war der Tag nicht, meistens habe ich mich über die Ratschläge einfach nur geärgert oder sie ignoriert. Und die Zeitspanne, in der ich mich relativ schlecht gefühlt habe, war auch nur kurz. Dennoch hat mich dieser Tiefpunkt angeregt, darüber zu reflektieren.

    Im Urlaub auf Neuseeland habe ich mich einen ganzen Monat lang nicht geschminkt, dabei habe ich mich sehr wohl gefühlt. Auf einer Rundreise mit viel Natur und Wanderungen brauche ich keine Schminke! Meine Haut war nach 5 Wochen extremem UV-Index sehr gebräunt – ihr habt mich teilweise auf der Vivaness gesehen. Meiner Haut tut moderate Sonnenstrahlung gut, Pickelchen heilen besser ab.

    Ich möchte gerne irgendwann dahin kommen, dass meine Haut aufgrund der passenden Pflege kaum noch Make-up benötigt, um gut auszusehen. Das ist jedoch noch ein langer Weg, denke ich. Bis dahin werde ich wohl das äußere Bild dem inneren Bild anpassen und Foundation auflegen. Augenringe sind bei mir da ein heikles Thema, da sieht man bei mir ganz deutlich die Familienzugehörigkeit zu meinem Vater. Ohne Concealer gehe ich kaum aus dem Haus, außer ich bin wirklich braun.

    Ihr habt Recht: wir haben die Möglichkeit uns zu schminken, nicht nur für andere, sondern vor allem für uns selbst.

  10. Huhu 🙂
    Wie erschreckend… Ich bin ja immer komplett ungeschminkt unterwegs und fühle mich bei Douglas und auch in anderen Kosmetikgeschäften immer total deplaziert. Die beste Beratung hatte ich von einem offensichtlichen schwulen Azubi bei Douglas, der war der Kracher!

    Meine Haut gerät sehr schnell aus dem Gleichgewicht, trotzdem bin ich zu 85% ungeschminkt unterwegs. Ich benutze dann auch nichts zum abdecken, meine Haut ist halt so wie sie ist. Aber was sie immer wieder ins gleichgewicht bringt ist Siriderma. Eine medizinisch Anmutende Hautpflege, für Allergiker und Neurodermitiker entwickelt. Schnörkellos, aber mit tollen Inhaltsstoffen. Egal wie zickig meine Haut ist, die Feuchtigkeitscreme bringt sie schnell wieder „runter“ 😉 Ich hab sie grade zum 4. mal nachbestellt…
    Ronja hat kürzlich gebloggt: Neues am Sonntag: Kosmetik, Pflege, Schuhe, Fancy FoodMy Profile

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