Im Trüben

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Heute morgen war ich mit meinem Herzallerliebsten auf Fototour. Vor Sonnenaufgang sind wir ins Niemandsland gefahren und haben neblige, graue Fotos gemacht, mystisch, unwirklich. Das war ein toller Start in den Tag! Danach habe ich eine Arbeit angepackt, die ich schon seit Wochen vor mir herschiebe: meinen Blogger-Beauty-Kram aufräumen. Diese Aufgabe wiederum war auch irgendwie grau, aber nicht mystisch und leider sehr, sehr real. Die märchenhafte Stimmung des Morgens war sehr schnell verflogen. Mir stellt sich auf’s Neue die Frage: wo kommt der ganze Kram her, und wie kriege ich ihn wieder aus dem Haus?

Ich blogge seit 3 Jahren. Die ersten Monate kannte niemand meinen Blog, ich hatte kaum Kommentare, meine Fotos waren schlecht, die Texte vielleicht ein wenig zu sehr gestellt und gekünstelt. Niemand hat mir PR-Anfragen geschickt. Ich habe alle Sachen selbst ausgesucht und gekauft. Und ich war glücklich mit meiner Auswahl. Damals war es für mich unvorstellbar, dass ich der Flut der Naturkosmetik nicht mehr Herr werde.

Heute habe ich einen ganzen Vormittag damit verbracht, angebrochene von original verpackten Produkten auseinander zu sortieren, und die dann noch mal in verschiedene Kategorien zu ordnen. Die Sachen habe ich dann in den verschiedenen Schubladen und Schränken neu einsortiert. Gleich nebenbei habe ich noch 6 Päckchen gepackt mit Sachen, die ich weitergebe. Und dann habe ich Fotos gemacht. Mit dem Handy. Ich habe mich nicht getraut, das Ausmaß mit meiner Fotokamera im Megapixelbereich festzuhalten.

Zu viel Zeug.

Zu viel Zeug.

Das, was ich fotografiert habe, war mal mein größtes Hobby: Naturkosmetik. Cremes und Hydrolate die zu meiner Haut passen, ein Deo auf das ich mich verlassen kann, ein Serum für mehr Hautfeuchtigkeit. Heute empfinde ich den Anblick als Fußfessel, und die Freude an meinem Hobby weicht mehr und mehr einem dumpfen Gefühl der Verpflichtung, die ich weder erfüllen kann noch will.

Es gibt viele Firmen, die denken, mein Blog und mein Instagram-Account seien der ideale Ort, ihre Produkte zu platzieren. Sie schreiben mir Mails und schicken auch schon mal unverlangt ein Päckchen. Manche der Anfragen sind von Firmen, die ich unterstützen möchte, zu Produkten, die ich gerne testen würde und die zu meiner Haut passen. Auf diesem Weg kommen also PR-Samples in mein Zuhause – verglichen an dem, was ich annehmen könnte, sind es recht wenige. Dazu kommen meine Spontankäufe von daheim vor Ort und im Urlaub, Tauschpäckchen mit anderen Bloggern, Internetbestellungen. Und mein Vorratslager wächst und wächst.

Inzwischen sind in meinen Schubladen und Kartons tolle Produkte unterstützenswerter Firmen, doch ich komme nicht dazu, sie zu benutzen. Andere, offene Produkte stehen im Bad, und ich möchte nicht, dass die angebrochenen Sachen kippen. Alle paar Wochen bekomme ich einen Anfall von Aktionismus und möchte diese oder jene Marke benutzen, dann räume ich Produkte von A nach B und wieder zurück, und natürlich gibt es Sachen, die bis dahin noch ungeöffnet waren. Upps, die sind jetzt also auch auf.

Das macht mich wahnsinnig!

Wie kann ich den Sachen die Beachtung schenken, die sie verdienen? Wie kann ich meine Meinung sagen, wenn ich kaum noch Zeit habe, mir eine Meinung zu bilden? Dieser Überfluss, dieses Zuviel, diese vollen Schränke und Schubladen belasten mich. Seit Monaten habe ich keine Lust, zu bloggen. Einen Blogartikel zu schreiben fühlt sich an, als würde ich eine längst versprochene Schuld abarbeiten. Gleichzeitig aber auch, als würde ich meine Rezensionen zu anderen Produkten hinauszögern, aufschieben, als wären diese weniger wert. Mit welchem Produkt soll ich anfangen: das, was schon lange offen ist? Oder das andere, weil die Firma toll ist? Oder das dritte, weil ich es gerade gern benutze? Oder vielleicht doch gleich einen Überblickspost über die Produkte der Firma xy? Mhm, vielleicht eher ein Thema, bei dem ich mehrere Produkte gleichzeitig rezensieren kann, die nicht alle von einer Firma sind?

Ich mag keine Schulden abarbeiten, die ich nicht habe. Ich mag mich wieder frei fühlen!

Wie geht ihr damit um, dass euch ein Zuviel überrollt? Was tut ihr dagegen, von der Flut mitgeschwemmt zu werden? Wodurch distanziert ihr euch, damit ein Hobby auch Hobby bleibt, auch wenn man es in Form eines Blogs kommuniziert? Woher nehmt ihr die Freude, Einsatzbereitschaft und Kreativität, weiterzumachen?

11 Comments

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11 Responses to Im Trüben

  1. Das ist ein sehr heikles und emotionales Thema. Auch für mich. Ich hatte dir dazu ja schon auf Instagram was geschrieben: Seit ich studiere und mehr auf mein Geld achten muss, kaufe ich in den meisten Fällen nur noch, was ich wirklich brauche. Und bei Naturkosmetik ist das nicht viel. Hier hat sich nämlich auch einiges an Selbstkäufen und Samples angehäuft, die ich nun versuche bewusst aufzubrauchen. Gleichzeitig öffne ich nicht zu viele Produkte einer Kategorie, so dass ich die offenen auch wirklich benutze und die geschlossenen sich länger halten. 😉

    Wo ich rigoroser geeorden bin? Wenn mir etwas nicht gefällt oder nicht zu meiner Haut passt, sortiere ich es inzwischen schneller und ohne schlechtes Gewissen aus, anstatt mich zu quälen bis es leer ist. Die Sachen werden dann verkauft, verschenkt, getauscht. Aber ich weiß, was du meinst, selbst bei mir steht so viel im Bad und ich habe trotzdem manchmal das Gefühl, dass ich nichts habe, worüber ich schreiben könnte….

    Liebe Grüße,
    Jenni
    pretty green woman hat kürzlich gebloggt: Herbstzeit = Maskenzeit mit Vestige VerdantMy Profile

  2. Liebe Karin,
    erst mal: ich konnte jede einzelne Zeile, die du dir da von der Seele geschrieben hast, komplett nachvollziehen!
    Wir hatten ja bereits auf der Vivaness darüber gesprochen: damals war mir das alles bereits zu viel. Samples habe ich nur bedingt angenommen oder gleich weitergegeben. Und kurz darauf habe ich durch meinen neuen Job und private Veränderungen eine Blogpause eingelegt und konsequent (unbewusst) Produkte benutzt und geleert. Für Neukäufe war monatelang keine Zeit, das machte sich auch in meinen Schränken bemerkbar.
    Jetzt wo ich wieder regelmäßig blogge ist der Kaufreiz größer. Man sieht all die schönen Produkte online, die Neuheiten, die limitierten Produkte und schreibt unterbewusst wieder ellenlange Wunschlisten. Irgendwie ein Teufelskreis. Mir hat das Bloggen sehr gefehlt, aber jetzt wo ich wieder mittendrin stecke häufen sich auch wieder mehr Dinge an.
    Ein bisschen was habe ich auch jetzt wieder gekauft aufgrund von Rabattaktionen, obwohl ich nichts neues gebraucht hätte. Da ich mittlerweile aber einige Favoriten habe, die ich nicht mehr missen möchte (und auch nicht leid werde zu benutzen) kann ich mich manchmal ganz gut zusammenreißen…manchmal x))) . Aber gerade diese Rabattaktionen sind bei mir tödlich. Theoretisch müsste man sämtliche Newsletter abmelden, aber ich glaube ich bin noch nicht soweit ^^ . Verkaufen ist gerade bei ungeöffneten Produkten toll, weil man dann zumindest nicht das Gefühl hat sein Geld sinnlos ausgegeben zu haben. Alles andere lässt sich verschenken, wenn auch manches schwer fällt, weil man sich das immerhin alles irgendwann in der Hoffnung zugelegt hat es zu benutzten/auszuprobieren. Wenn aber der Druck dahinter steht (den ich leider allzu gut kenne) macht es keinen Spaß mehr. Und es sollte doch Spaß machen, deshalb haben wir uns das ja als Hobby ausgesucht (: . Der Druck ist ja meist auch eine Art Leistungsdruck: alle anderen posten regelmäßig und schreiben über viele neue Produkte etc. Man möchte sich doch irgendwie einreihen, aber eigentlich müsste man wirklich nur nach Lust und Laune veröffentlichen (eben dann, wenn man etwas zu sagen hat) und sich keiner Regelmäßigkeit verschreiben. Aber als Blogger ist das dann eben doch nicht so leicht und man schätzt ja auch den Austausch mehr als alles andere (: .
    Schade finde ich, dass man angefangene Produkte so schwer los wird bzw. nicht spenden kann. Dann würde das weggeben sicher leichter von der Hand gehen. Hattest du eigtl. mal Marie Kondo gelesen? Das hatte mich sehr inspiriert meine Habseligkeiten bewusster auszusuchen und auszusortieren.
    Ich ziehe demnächst um und mache mich schon mal seelisch auf eine weitere Ausmistaktion gefasst. Einige Lippenstifte habe ich schon konsequent aussortiert, überlege aber jetzt wohin damit. Irgendwie kommt man sich auch immer komisch vor, wenn man solche Proukte, die man selbst nicht mehr möchte, zur Verlosung anbietet. Zumindest geht es mir so, auch wenn es natürlich nicht bedeutet, dass die Produkte nicht jemand anderem sehr gut gefallen würden.
    Zum Glück erinnert mich mein Freund oft daran, dass man nicht alles haben MUSS, sondern auch länger über einen Neukauf nachdenken kann. Das spornt mich dann oft an, doch wieder hin zu einer minimalistischeren Auswahl zu kommen. Einen bestimmten Geldbetrag monatlich zu sparen hilft mir auch einigermaßen nicht das gesamte Geld für Kosmetik auszugeben x) . Man muss sich vermutlich vor jedem Kauf die strengen Fragen stellen: brauche ich das jetzt wirklich? Kann ich es nicht zu einem späteren Zeitpukt kaufen? Was habe ich noch da, was dem ähnlich ist? Würde ich es wirklich nutzen? Bietet es mir etwas Neues, was meine anderen Produkte nicht haben?
    Bei mir ist besonders das online Einkaufen fatal. Im Laden kaufe ich gar nicht so viel bzw. viel bewusster und wirklich nur das, was ich brauche.
    Beauty-Bloggen und Nachhaltigkeit passen manchmal nur bedingt zusammen. Man muss ja kein Minimalist werden, aber ab wann ist es zu viel? Ich denke diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten, je nachdem wie viel Auswahl man täglich haben möchte. Für mich bedeutet es eigentlich, dass ich besonders bei Pflegeprodukten nur so viel brauche, wie ich zeitgleich auch benutzen kann. Alles andere ist dann schon gehamstert. Bei dekorativer Kosmetik mag ich ein wenig Auswahl, gerade auch was Foundations betrifft, weil sich der Hautton und Hautzustand doch mal ändert und man dann auf andere Farben und Texturen zurückgreifen muss.
    So, das war nun genug von mir ^^ . Was ich eigentlich sagen wollte: du bist nicht allein! Wir sollten eine Blogger-Hilfegruppe gründen und uns gemeinsam Wege überlegen unseren Konsum nachhaltiger zu gestalten und dennoch unserem Hobby zu frönen x) .
    Ganz liebe Grüße <3 .
    Theresa vom Projekt Schminkumstellung hat kürzlich gebloggt: Geswatcht Nr. 6: puroBio TeintprodukteMy Profile

    • Bitte entschuldige diesen ellenlangen Text liebe Karin *__* .
      Theresa vom Projekt Schminkumstellung hat kürzlich gebloggt: Geswatcht Nr. 6: puroBio TeintprodukteMy Profile

    • Liebe Theresa, komm doch mal wieder vorbei! Wir schnappen uns mein Buch von Marie Kondo und sortieren meine Sachen konsequent durch. In der Theorie weiß ich, was ich tun sollte, aber in der Praxis … Fällt mir das sehr schwer. Danke für deinen ellenlangen Kommentar!

      • Das wäre toll liebe Karin, das sollten wir tun!
        Ich habe jetzt übrigens eine Art Inventurliste erstellt von (fast) all meinen Produkten, um auch auf dem Papier einen (sachlichen) Überblick zu bekommen. Meine Güte, da wird einem klar, was man alles nie im Leben benutzen kann bzw. in einigen Kategorien jahrelang nichts Neues brauchen wird ^^ . Gesichtscremes sind so eine Kategorie bei mir.
        Außerdem nehme ich mir vor in diese Liste zu schauen, bevor ich online etwas neues kaufe, um zu sehen, ob ich es überhaupt nutzen und gebrauchen kann.
        Vielleicht hilft das. Ganz liebe Grüße <3 .
        Theresa vom Projekt Schminkumstellung hat kürzlich gebloggt: Geswatcht Nr. 6: puroBio TeintprodukteMy Profile

  3. An diesem Punkt war ich auch: so viele Produkte und der Druck, diese zu benutzen und darüber zu berichten. Inzwischen habe ich für einen Blogger, glaube ich zumindest, relativ wenig. Geholfen haben mir dabei mein Umstieg auf reizfreie Pflege, seitdem fällt es mir wesentlich leichter Dinge nicht anzunehmen. „Richtige“ PR-Samples waren es schon immer sehr wenig, aber auch bei Messen und Events, kann ich inzwischen ablehnen. Und die Entscheidung, dass das Bloggen mein Hobby ist und bleibt; ich muss nichts veröffentlichen, ich schreibe wann und worüber ich Lust habe. Und wenn ich mal vier Wochen nichts veröffentliche, dann ist das eben so.
    In nächster Zeit kommen bei mir, wenn es denn Kosmetik-Themen sind, wohl wirklich nur PR-Sample-Posts…früher hätte ich mich das irgendwie abgeschreckt, aber ich habe soviel aufgebraucht und aussortiert, so dass dies aktuell eben die Produkte sind, die ich gern testen und benutzen möchte und über die ich berichten kann.
    strawberrymouse hat kürzlich gebloggt: Change ManagementMy Profile

    • Oh die Messen, liebe Sandra, die haben meine Schubladen auch voll gemacht. Obwohl ich bei wirklich vielen Sachen abgelehnt habe! Trotzdem kann ich gar nicht so viel Duschen, wie ich Duschgel habe. Reizfrei klingt natürlich interessant, aber ich mag die aromatherapeutische Wirkung ätherischer Öle zu sehr. Ich finde es übrigens bewundernswert, wie du aussortiert hast – ich glaube, ich habe eine deiner Reinigungslotionen von der Vivaness mitgebracht, mit Kringeln in der INCI-Liste.

      Vielleicht sollte ich mit einem Messekoffer zur Vivaness fahren, mit vollem Koffer hin und leerem zurück.

  4. Liebe Karin, ich kenne das „zu viel“ von verschiedenen Gebieten. Naturkosmetik und Parfum sind seit Jahren meine Hobbies und ich erlebe es immer stärker, dass mir die Masse an Produkten, neuen Marken und neuen LEs über den Kopf wachsen. Abgesehen davon, dass auch die Preise gefühlt (oder tatsächlich?) immer stärker ansteigen.

    Es gibt bei Parfum die Möglichkeit, angebrochene Flakons relativ gut weiter zu verkaufen oder zu tauschen. Bei Naturkosmetik gibt es das bisher in der Form noch nicht, weshalb ich mir dieses Jahr tatsächlich mal die Mühe gemacht hatte, ein Konzept zu genau einer solchen Plattform für NK zu entwickeln. Leider ist mir zuletzt der Entwickler dazu weggebrochen und ich weiß nun nicht, ob ich dieses Hirngespinst (wozu schon die Anforderungen, Entwürfe und Datenmodelle vorliegen) weiter verfolgen soll…

    Wie auch immer, ich kann dich in jedem Fall sehr gut verstehen und hoffe, dass du bald wieder Freude an deinem Hobby haben wirst. Mit oder ohne Blogeinträgen 😉
    LG, Marie
    Marie hat kürzlich gebloggt: “You Have a Power on Me” – listening to Soko + my thoughts on healthy boundariesMy Profile

  5. Hey,

    ein schöner Beitrag, auch wenn ich eigentlich wegen des schönen Nebelwetters auf ihn gestoßen bin. Ich kenne diese Gefühle auch: mich verpflichtet zu fühlen, mich gehetzt und gedrängt. Dabei warten nicht mal PR-Samples auf Verwurstung (ein Segen, ein kleiner Blog im unübersehbaren Haifischbecken der KK-Beautyblogs zu sein!), sondern nur meine Ideen, meine Verpflichtungen, die ich mit mir selbst und meiner Kreativität und meinen Plänen und meinen geschossenen Fotos und allem eingegangen bin. Mir kippt also selten etwas, außer die Laune. Und die überschießende Motivation. Und dann dazu passend die Herzfrequenz. Alles zuviel und zu stark aufgedreht.
    Pflegetechnisch habe ich dermaßen wenig mittlerweile, weil ich in allem angekommen bin, ich brauche nur auf und kaufe nach. Und ich würde nicht mal Samples annehmen, weil ich das nicht benutzen wollte. In dem Bereich kenne ich das Problem also nicht.. aber ich fühle trotzdem mit dir. Stell dir einfach das obige Bild vollgestopft mit Makeup vor. Ich kann nur gut schlafen, weil das nicht so schnell schlecht wird ^.^

    • Danke für deinen Kommentar! Bei Make-up im NK-Bereich halten die Produkte nicht so lange, auch da habe ich mehr, als ich aufbrauchen kann. Bei deinen Fotos bewundere ich immer, dass da tatsächlich Dellen in den Pfännchen sind, du wirklich die Sachen benutzt, die du hast. Bei mir dauert das eine Ewigkeit, und man sieht nur bei ganz wenigen Produkten, wie sie weniger werden …

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