Selbstreflektion | Affirmationskarte: Ich habe Freude an meinem Leben

Heute habe ich meine erste Affirmationskarte gezogen, und auf ihr steht: Ich habe Freude an meinem Leben. Schareska hat mir auf der Vivaness ein paar Affirmationskarten gegeben, die ich mir diese Woche zu Herzen nehmen möchte. Heute will ich euch daran teilhaben lassen, was mich beschäftigt, wenn ich mich mit dem Thema beschäftige.

Nach vier aufregenden und erfüllenden Tagen auf der Vivaness habe ich mehr denn je das Gefühl, dass das Leben, das ich lebe, nicht meins ist. Es sollte am Besten das Leben einer Anderen sein. Einer Anderen, die man an der Bushaltestelle sieht oder der man beim Bäcker begegnet. Nur begegne ich mir nicht beim Bäcker oder an der Bushaltestelle, sondern immer dann, wenn ich Trübsal blase oder in Selbstmitleid versinke. Denn ich habe das Gefühl, dass mein Leben von außen bestimmt ist, nicht von innen heraus, aus mir selbst heraus.
Affirmationskarte: Ich habe Freude an meinem Leben
Wir bestimmen in diesem wunderschönen Land unser Leben selbst, wir haben eine Wahl für viele viele Dinge des Alltags: wo wir wohnen, welchen Beruf wir ergreifen, vielleicht studieren, ob wir mit unserem Partner unser Leben teilen wollen, ein Haus bauen, Kinder haben, …

Oder eben nicht. Also: ob wir die Wahl treffen oder nicht, ist uns selbst überlassen. Und wenn ja, können wir in vielen Fällen den Ausgang bestimmen.

Ich habe Freude an meinem Leben. Warum hört sich das gerade im Moment so falsch an? Vor drei Tagen war doch noch alles gut? War es das wirklich, oder hat die Freude etwas anderes überdeckt, meine Selbstzweifel, meine Angst, meine Instabilität?

Oder ist es vielleicht genau anders herum: Selbstzweifel, Angst, Unsicherheit, sie verdecken allzu oft, dass ich ein lebenslustiger, fröhlicher, freundlicher Mensch bin. Vielleicht geht es euch genau so?

Ich.
Ja, es gibt Teile meines Lebens, an denen ich Freude habe. Ich bin sehr gern draußen in der Natur, vor allem an bewegtem Wasser. Ich mag es, wenn im Sommer leichte Regentropfen auf meiner Haut landen. Ich sprühe vor Energie, wenn ich mit Gleichgesinnten zusammen bin, und wir gemeinsam für eine Idee brennen. Ich kann also aus mir selbst heraus und auch mit anderen zusammen Freude an meinem Leben erfahren.

Habe.
Präsens. Gegenwart. Oft fühlt sich mein Leben zugemüllt an mit Nichtigkeiten, Unwichtigem. Jedesmal, wenn ich mich aufraffe, etwas dagegen zu tun, fühle ich mich ein Stück weit befreit. Davor oder danach jedoch nicht. Es liegt ein weiter Weg vor mir, das Jetzt, den Moment, für mich freundlicher und friedvoller zu gestalten. Damit ich mehr Freude habe. Eine gute Freundin hat vor ein paar Tagen mit mir über den Begriff der Unendlichkeit gesprochen. Unendlich ist die Ausdehnung in alle Richtungen, auf die Zeit bezogen also die nicht endende Ausdehnung in die Vergangenheit und die Zukunft. Wenn also alles zusammengenommen Unendlich ist, ist jetzt = unendlich. Die Gegenwart ist für mich unendlich, denn sie ist der Moment des Seins, in dem ich mich immer befinde. Es fällt mir schwer, diese Momente des Seins, der Unendlichkeit, mit etwas zu füllen, das mich erfreut. Zu viele Verpflichtungen drücken mich nieder, nehmen mir die Luft zum Atmen. Und ich lasse es zu. Vorher unbewusst, jetzt, in diesem Moment der Unendlichkeit, ganz bewusst. Damit ich die Schwere fühlen kann. Mir bewusst machen, wie viel leichter es sein kann. Ich atme tief durch und lasse los. Ich habe Freude am Leben!

Freude.
Diese kleinen Momente des großen Glücks kenne ich. Im Alltag ist mir jedoch die Freude entglitten. Freude, auch wenn es draußen regnet. Freude, auch wenn die Kollegen anderer Meinung sind. Freude, auch wenn ich keine Kraft habe, den Techniker anzurufen, damit er den Backofen repariert. Freude, auch wenn mir Sodbrennen sagt, dass ich besser 10 Kilo abspecken sollte. Freude, auch wenn es zu kalt ist, am Wochenende draußen zu frühstücken. In mir gibt es gerade viel mehr Angst, Wut, Zorn, Ohnmacht, Beklemmung, Selbstzweifel, Traurigkeit oder Selbstmitleid als Freude. Dabei kenne ich die Freude, die mich beschwingt durch den Alltag trägt. Ich weiß, wie es sich anfühlt, frei zu atmen, zu lächeln, froh zu sein. Darum muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass ich auch dann, wenn es mir mal nicht so gut geht, Freude empfinden kann. Ich möchte die Freude zulassen, über viele Momente hinweg. Deshalb muss ich in meinem Leben mehr Raum schaffen, den Freude ausfüllen kann.

An.
Dass ich im Moment, im Augenblick, Freude haben kann, habe ich weiter oben schon geschrieben. Aber an, das ist aus der Außensicht auf das Leben als ganzes geschaut. Wo komme ich her, wo gehe ich hin, ergeben die vielen Momente der Gegenwart, aneinandergereiht wie Perlen auf einer Kette, eine langanhaltende Freude? Habe ich das Gefühl, dass ich aus meinen Fehlern gelernt habe? Habe ich das Gefühl, dass ich aus Krisen gestärkt hervorgegangen bin? Hell, yes! So lange ich mich in einer Krise befinde, fühlt sich die Situation ausweglos an. Doch das ist immer nur eine Momentaufnahme. Die Freude am Leben, dem Leben als Einheit, als Ganzes, als Unendlichkeit, diese Freude am Leben trage ich in mir. Sie macht mich stark zu reflektieren, aus dem Selbstmitleid aufzusteigen, Probleme zu lösen.

Meinem.
Wenn ich mich schwach und bedrängt fühle, friere ich ein. Da gibt es kein Fight or Flight, sondern nur ein Freeze. Dann schaue ich anderen beim Leben zu (Spielfilme, Serien) oder lese und höre mich in andere Universen. So habe ich das Gefühl, als Unbeteiligter an Wut, Trauer, Schmerz, aber auch Glück und Freude teilhaben zu können, ohne dass ich in Gefahr bin, diese Gefühle selbst zu durchleben. Dieses Einfrieren hilft mir, Abstand zu meinem eigenen Leben zu gewinnen, Abstand zu den überschäumenden Gefühlen, die mich wegzuschwemmen drohen. Aus diesem Abstand heraus kann ich besser in mein Leben eingreifen. Es fällt mir jedoch sehr schwer, zu erkennen, wann dazu der richtige Zeitpunkt ist. Wie lange möchte ich mein Leben jemand anders leben lassen, bis ich selbst wieder einsteige? Das führt mich zu dem Punkt, dass diese Verdrängungstaktik mich dazu bringt, mich mit anderen zu vergleichen. Was hat sie was ich nicht habe? Warum wohne ich noch zur Miete und nicht im Eigenheim? Wo sind Hund und Kinder, die am Wochenende verdreckt vom Footballspiel nach Hause kommen, während ich für meinen Mann liebevoll das Essen zubereite?

Moment. Football? Baseball? Das eine spielt man mit Schlägern, das andere nicht, und der Ball sieht ja auch ganz anders aus … ist wohl doch nicht mein Leben, denn ich persönlich interessiere mich weder für Baseball noch für Football, noch möchte ich einen Hund haben, und ich möchte auch nicht das kochende Hausmuttchen sein. Das bin einfach nicht ich.

Wenn ich in mich hineinhorche weiß ich also doch, was mein Leben ist, und was eben nicht mein Leben ist. Wie mein Leben sein sollte, wie es sich anfühlen sollte. So, dass mein Leben eben mein Leben ist. Mir fällt es schwer, mich nur mit mir selbst zu vergleichen, anstatt mit anderen. Doch die Maßstäbe für mein Leben setze ich selbst. Dazu gehört auch, es zuzulassen, dass man sich selbst beschissen fühlt, weil man sich mit anderen vergleicht. Oder eben nicht. Ich arbeite daran.

Leben.
Leben, das ist die komplette Wachzeit, die wir wahrnehmen. Leben, das sind aber auch die Alpträume, das erschreckte Aufwachen, das mulmige Gefühl, dass wir den ganzen Tag mit uns rumschleppen. Sorry, da ist sie wieder, die Verallgemeinerung. Mein Leben, das ist das Rundumpaket, das mich ich selbst sein lässt. Leben, das ist etwas aktives, das ist keine Erinnerung an bessere Zeiten. Leben, das sind Taten, das sind Aktionen.

Was ziehe ich daraus?
Ich fühle mich, doch nicht immer mag ich das, was ich als ich kenne.
Ich lasse los, um mehr freien Raum für Freude in meinem Leben zu haben.
Mein Leben macht mich stark, doch um diese Stärke zu erlangen, muss ich mich mit mir selbst beschäftigen und meine Konflikte lösen.
Ich darf mich nicht mit anderen vergleichen.
Leben ist für mich Handeln, nicht Erinnern.

Wenn ich möchte, dass der Satz wahr ist, muss ich zu aller erst zulassen, mich tatsächlich zu freuen. Ich muss der Freude Raum geben, nicht den Problemen. Probleme sind dazu da, gelöst zu werden – aber nur, wenn sie echte Probleme sind. Also muss ich Prioritäten setzen, die wahren Probleme identifizieren und mich ihnen stellen.

 

Ich habe Freude an meinem Leben.
Wie sieht diese Wahrheit aus, wie fühlt sie sich an, wie schmeckt sie? Welches Ich muss ich sein, um die Freude in meinem Leben leben zu können, und die Probleme zu lösen, die mich von dieser Freude abhalten?

 

Ich habe sehr viele Ansatzpunkte aus der Affirmationskarte gezogen, die mich sicherlich noch einige Tage beschäftigen werden. Bis dahin versuche ich zu visualisieren, fühlen, schmecken, wie es sich angefühlt hat, als dieser Satz „Ich habe Freude an meinem Leben.“ in der Vergangenheit wahr war. Denn das ist die Person, die ich suche, damit ich mit ihr kommunizieren kann. Sie kann mir helfen, Freude an meinem Leben zu erfahren, Freude zu leben. Sie steckt in mir drin, die Lebensfreude. Und darüber freue ich mich!

3 Comments

Filed under Zeitgeist

3 Responses to Selbstreflektion | Affirmationskarte: Ich habe Freude an meinem Leben

  1. Karin, was für ein schöner, lebendiger Beitrag. Vielen Dank, dass du mit uns deine Gedanken und Gefühlen geteilt hast. Ja, das alles ist das Leben <3 Liebe Grüße

  2. Liebe Karin, ich bin jetzt erst dazu gekommen, deinen Artikel zu lesen und ich hatte sofort das Bedürfnis, dir einen Kommentar hierlassen zu wollen. Das Einfrieren und das Verstecken in anderen Welten, wie Serien oder bei mir auch Blogs und Instagram-Accounts kenne ich nur zu gut. Und das Gefühl, dass alles so fremdbestimmt ist und einem das Leben durch die Finger rinnt. Ich hoffe, dass du wieder zu dir findest und Freude an deinem Leben hast. Jetzt oder irgendwann <3

  3. Liebe Karin, auch ich möchte dir nach diesem tollen Beitrag schreiben, denn du bist nicht allein damit, dass eigene Leben manchmal nicht zu genießen und Freude zu empfinden, wann immer es geht. Ich ziehe mich auch sehr oft zurück und lese. Die Emotionen der Geschichten lassen mich oftmals lebendiger werden als zuvor! Fremdbestimmung empfinde ich seit meinem ersten festen Vollzeitjob auch und frage mich, ob dieser Alltag nun den Rest meines Lebens bestimmen wird oder zumindest einen Großteil davon. Ich mag meine Arbeit, mein Büro, meine Kollegen sehr gern, aber ich persönlich frage mich immer häufiger, ob die Arbeitszeit und das „eigentliche Leben“ wirklich ausgewogen sind. Ich würde viel lieber spontan reisen können, so viel und so oft ich möchte. Spontan bei Regenwetter zu Hause bleiben und gemütlich eingekuschelt ein Buch lesen können, wenn mir danach ist.
    Aber man tut, was alle anderen auch zu tun scheinen: möglichst viel arbeiten, Geld verdienen, Träume haben, aber vielleicht doch nie ausleben.
    Vielen Dank für die Anregungen, die mir dein offener Beitrag beschert hat.
    Liebe Grüße <3 .
    Theresa vom Projekt Schminkumstellung hat kürzlich gebloggt: Mein Kosmetiktäschchen an der Ostsee: Favoriten und praktische ReisebegleiterMy Profile

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

CommentLuv badge