Minimalistisch Packen (TB02)

Ich habe ständig Fernweh und möchte mehr verreisen. Kurze Wochenendtrips, eine Woche Urlaub, aber gerne auch mal wieder länger weg, irgendwohin wo es schön ist, wo ich noch nicht war. Mit dem neuen Job habe ich, theoretisch betrachtet, fast immer ein langes Wochenende für Kurztrips. In der Praxis habe ich es jedoch noch nicht fertig gebracht, die freien Tage für einen Städtetrip zu nutzen.

Ohne Planung läuft bei mir nichts, das habe ich ausgetestet. Ich habe einen schrecklich öden halben Tag in Bamberg verbracht wo mir klargeworden ist, dass ich mich nicht von einem Tag auf den anderen ändern kann und total spontan einen coolen Tag in einer (kalten, verregneten) Stadt verbringen kann. Daher habe ich abends geschaut, ob ich nicht sonstwie oder sonstwo ein paar schöne Tage verbringen könnte. Ich hätte da auch sicher das eine oder andere Ziel gefunden, doch im Hinterkopf pochte der Gedanke: Was packe ich, falls ich in drei Stunden unterwegs sein muss, um den Zug zu erwischen?


Den nächsten freien Tag habe ich nicht mit einem Schirmchen im Cocktail am Strand verbracht, noch nicht mal in der Thermenlandschaft 15 Kilometer weiter. Nein, ich saß zuhause und habe einen virtuellen Koffer geplant.

Meine Frageliste, grob gekürzt:

  • Gibt es verschiedene Umstände, die einen unterschiedlichen Kofferinhalt erzwingen?
  • Gibt es Klamotten, die ich immer anziehen kann beziehungsweise solche, die ich im Sommer / Winter auf jeden Fall brauche?
  • Wie viele Tage kann ich die Klamotten anziehen, bevor ich sie waschen muss?
  • Kann ich Klamotten von Hand waschen? Wenn ja, welche, und wie lange brauchen die zum Trocknen?
  • Welche Materialien bevorzuge ich?
  • Kann ich alle Klamotten zusammen in die Waschmaschine stecken?
  • Kann ich alle Klamotten ordentlich miteinander kombinieren?
  • Welche Sachen kann ich weglassen?

Ich habe angefangen zu packen. Ich habe tatsächlich jedes Paar Socken, jedes Shirt, jede Hose auf’s Bett gelegt und nachgedacht. Ich habe hin und her überlegt und Sachen getauscht, und auf diese Art und Weise habe ich mir drei minimalistische Packlisten zusammengestellt. Im Bild oben seht ihr die visuelle Liste für die Übergangszeit, also Frühling und Herbst, wenn es zu kalt ist um im Meer oder See zu baden aber ich dennoch vorwiegend draußen sein möchte und die Natur genießen. Ich habe alles fotografiert, damit ich weiß, welche Sachen genau ich miteinander gut kombinieren kann.

Neben dieser Liste habe ich noch zwei andere erstellt, eine für den Sommer- und Badeurlaub, und eine für Winterurlaub und Städtetrips. Die Fotos habe ich ausgedruckt und in mein Bullet Journal eingeklebt, und ich schreibe mir die genauen Inhalte der Packliste dazu. Ähnliche Listen habe ich bereits für meinen Kulturbeutel und mein Schminktäschchen angefangen, und es gibt eine Liste mit dem ganzen anderen restlichen Kram wie Geldbeutel, Fotoapparat, Reiseunterlagen, Wäscheklammern etc.

Vielleicht kommt euch das total überzogen vor, dass ich fast einen kompletten Tag investiert habe, um einen Rucksack ein- und auszupacken, Sachen zu fotografieren und inventarisieren. Für mich entsteht dadurch jedoch ein Gefühl der Sicherheit. Die Sicherheit bereit zu sein, wenn es schnell losgehen soll. Die Sicherheit, alles geplant und durchdacht zu haben. Die Sicherheit, mich korrekt an alles erinnern zu können. Die Sicherheit, mich auf mich selbst verlassen zu können. Die Sicherheit, dass ich gut vorbereitet bin und somit die pessimistischen oder zweifelhaften Gedanken keine Daseinsberechtigung mehr haben.

Meine Packlisten sind so ausgelegt, dass

  • ich mit den Sachen eine Woche auskomme.
  • ich was zum Anziehen habe, wenn ich die schmutzigen Sachen in die Maschine werfe.
  • ich theoretisch unbegrenzt lange unterwegs sein kann.
  • ich manche Sachen wirklich von Hand waschen oder sie über Nacht oder anderthalb Tage lüften muss.
  • alles in einen Handgepäckrucksack passt, sowohl vom Gewicht her als auch vom Volumen.

Dieser Aufwand hatte auch einen ganz praktischen Nutzen: ich habe festgestellt, dass ich kaum schöne (also nicht verwaschene, nicht kaputte, nicht fadenziehende, nicht verzogene) kurzärmelige T-Shirts habe. Von den restlichen Sachen hatte ich eine angenehme Auswahl, doch gute Shirts sind Mangelware in meinem Kleiderschrank. Letztes Jahr habe ich mich auf Jeanshosen fokussiert, davor waren es Langarmshirts. Drum werde ich also meine Garderobe überprüfen, kaputte Shirts aussortieren und gezielt nachkaufen, was ich brauche. Gut, dass mir das vor dem Frühling und Sommer aufgefallen ist!

Was steht auf meiner Frühling/Herbst Packliste für Klamotten?

  • 1 BH
  • 4 Unterhosen
  • 4 Paar Socken, davon 2 Paar halbhohe/Sneakersocken, 2 Paar dünne Wollsocken
  • Wolloberteile: 2 Tops, 1 Pullover
  • Baumwoll- und Hanfoberteile: 2 T-Shirts, 1 Langarmshirt
  • 2 lange Hosen
  • 1 Kapuzenjacke
  • 1 Schlafanzug + 1 Yogakombi, die jeweils miteinander kombinierbar sind
  • 1 Bikini/Badeanzug
  • 1 Handtuch
  • 1 Paar halbhohe Outdoorschuhe + 1 Paar Sandalen die auch als Hausschuhe taugen
  • 1 Kappe
  • 1 Halstuch
  • 1 Sportmütze + 1 Schlauchschal
  • 1 Parka, Mantel, Jacke
  • 1 Wäschenetz
  • 1 Jutetasche

Dazu kommt eventuell ein Satz Klamotten, die ich anhabe – die sind für An- und Abreise gedacht sowie für den Waschtag. Dadurch kann ich ganz spontan darauf reagieren, was mir fehlt oder wo ich Lücken sehe in Bezug auf die aktuelle Wettervorhersage, oder farbliche Vorlieben oder Accessoires. Falls ich kürzer verreise als eine Woche dann lasse ich diese zusätzlichen Kleidungsstücke weg. Auch Schuhe, Jacken und Schals packe ich nicht doppelt ein, das ist in Frühling und Herbst bei mir nicht notwendig.

Die Sachen auf dem Foto oben wiegen (ohne Outdoorschuhe und Kapuzenjacke) ca. 3,5 Kilogramm, mein Rucksack nur 900 Gramm. Selbst bei einer sehr niedrigen Hangepäckgrenze mancher Airlines von 6kg habe ich noch 1,4kg frei für Kamera, Kulturbeutel, Schminksachen und anderen Kram. Mein Handy, Geldbeutel, Reiseunterlagen und MP3-Player sind in meiner Handtasche (manchmal liest man Personal Item bei den Fluggesellschaften), da ist zwar oft die Größe begrenzt, aber nicht das Gewicht, soweit ich es bisher gelesen habe.

Das einzige, was mich möglicherweise über eine Handgepäckgrenze katapultiert ist mein Netbook, das wiegt mit Ladegedöns und Schutzhülle ungefähr anderthalb Kilo. Ich überlege deshalb, ob ich mir eine sehr kleine, dünne Tastatur zulege, die ich per Bluetooth an mein Handy oder ein Tablet anschließen kann. Endlich mal ein Vorteil von kleinen Händen und zarten Fingern!

 

Erkenntnis des Tages: es dauert rund zwei Stunden, einen solchen Beitrag runterzuschreiben und einmal Korrektur zu lesen. Ohne im Schreibprozess länger über was nachzudenken, ohne hübsch zu formulieren, also roh und ungefiltert, aber mit einer ganzen Menge geleisteter Vorarbeit auf dem Papier und im Kopf. Das ist Zeit, die ich von Instagram zurückhaben will. Der neue Algorithmus nervt mich kolossal, ich sehe nicht was ich sehen will. Um mich durch sämtliche Fotos und Stories aller 300 Accounts, denen ich folge, durchzuscrollen und durchzuschauen brauche ich pro Tag mehr als eine Stunde (plus die Zeit für die Stories!), und dafür möchte ich meine Zeit nicht mehr aufwenden.

Ich denke, ich werde gezielt einige Accounts herauspicken und mir die Zeit nehmen, Bilder zu gucken, Texte zu lesen und Stories anzuschauen. Zum Beispiel diese hier:

4 Comments

Filed under Zeitgeist

4 Responses to Minimalistisch Packen (TB02)

  1. Packen ist ja auch nicht so meins…allerdings werde ich mich da wohl auch nie so recht organisieren können. Definitiv eine rationale Idee, sich einmal hinzusetzen und das ordentlich durchzustrukturieren. Ich fürchte aber, auch das wird mir nicht gelingen 😀
    Vielen Dank für’s Verlinken!
    strawberrymouse hat kürzlich gebloggt: [Swatches] Sante Naturkosmetik: Dekorative Kosmetik*My Profile

    • Die meisten Leute packen wohl ihre Koffer, ohne sich irgendwelche (tiefergehenden) Gedanken darüber zu machen, ob sie sinnvoll packen. Sie haben dazu auch überhaupt keinen Grund. In einen großen Koffer oder eine große Tasche geht viel rein, da kann man mehr einpacken, als man braucht. Ich persönlich kann und will nicht so viel tragen, muss mich also einschränken – und ich nehme gerne Sachen mit, die ich wirklich brauche, anstatt sie daheim zu lassen.

      Ich beneide Menschen, die einen kleinen Rucksack mit Geldbeutel, Telefon, zweimal Unterwäsche und Socken + Wechselshirt packen, vielleicht noch ne Zahnbürste dazu, und so wegfahren. Ganz so arg wird es bei mir nie werden, aber mit wenig Gepäck ist man wendiger.
      Karin hat kürzlich gebloggt: Glitzermaniküre (TB04)My Profile

  2. Liebe Karin,
    ich neige zum „Überpacken“, also mehr einzupacken und tatsächlich nur die Hälfte davon anzuziehen x) .
    Meist mache ich es deshalb so, dass ich alles zusammentrage, was ich theoretisch gern mitnehmen würde und dann nochmal bewusst auf das „Nötigste“ reduziere. Klappt manchmal, aber nicht immer. Ich bin auch gern vorbereitet auf verschiedste Situationen x) . Sich allerdings klar machen, dass man notfalls irgendwoher noch etwas kaufen kann (Tagescreme oder Zahnpasta bswp.) hilft mir dabei, mich nicht zu verrückt zu machen und lindert das Gefühl des „etwas vergessen zu haben“.
    In einwöchige Urlaube bin ich in den letzten Jahren dann meist mit Handgepäck-Köfferchen gereist und das reichte immer aus.
    Interessante Blogpost-Idee übrigens (: ! Und vielen Dank für die Verlinkung <3 . Liebe Grüße.
    Theresa vom Projekt Schminkumstellung hat kürzlich gebloggt: Winterliche Gesichtspflegeroutine 02/18My Profile

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