Tag Archives: Alltag

Ideenüberfluss, Perfektionismus und Prokrastination: Buffer Overflow | Täglich Bloggen Tag 01 (TB01)

Buffer Overflow

In meinem Kopf ist es so voll, dass er sich ganz leer und manchmal wie in Watte gepackt anfühlt. Ich habe gefühlt tausend Ideen und jeweils zig Vorstellungen, diese Ideen umzusetzen. Ich überlege hin und her, prüfe, plane, verwerfe, um das bestmögliche Ergebnis, die bestmögliche ideele Ausarbeitung einer solchen Idee fertig zu haben, bevor ich sie umsetze. Es soll nichts schief laufen, alles soll tipp topp werden, und das mit möglichst kleinem Aufwand.

Also sitze ich auf dem Sofa | im Sessel | in Zug, Bus, Bahn | im Café und denke nach. Grüble.

Sollte ich nicht langsam mal eine Yoga-Routine entwickeln? Es wäre schön, keine Rückenschmerzen mehr zu haben. Daher wäre es sinnvoll, jeden Tag zumindest eine kleine, rückenfreundliche Einheit zu absolvieren, anstatt ab und an, wenn es zwickt und zwackt, die 30-60 Minuten zu investieren. Das könnte ich gleich mit dem Miracle Morning kombinieren, den ich in diesem Jahr sehr schleifen lasse. Meine Aufstehzeit müsste ich dann um ca. 2 Stunden vorverlegen, schließlich ist ja bald Zeitumstellung, und die muss ich mit reinrechnen. Und wie ist das überhaupt mit den Vitaminen und Nährstoffen? Die helfen doch auch, alle Körperprozesse zu regulieren, und könnten bei den Rückenschmerzen helfen. Habe ich da nicht was von Vitamin XY und Nährstoff YZ gelesen? Klar, dann kann ich mein morgendliches Frühstück zwischen Overnight-Oats und Superfood-Smoothie abwechseln, und ein paar Nahrungsergänzungsmittel schaden sicher nicht. Oder doch? Lagern sie zu viele Vitamine nicht im Körper an? Wechselwirkungen zwischen den ganzen Sachen mal außen vor gelassen …

Okay, dann fange ich halt mit was anderem an, wenn ich mit Sport und Ernährung keinen guten Einstieg finde. Bloggen. Ja, bloggen, da muss ich endlich mal mit mehr Plan rangehen. Die Leser erwarten doch ein bis zwei gut recherchierte Blogposts pro Woche, und die bringe ich nicht. Dann mache ich doch eine Blogserie über Lippenstifte | Deos | Zahncreme | Abschminktücher | grünes Reisen | Kinofilme | Netflixserien | Holzmöbel | Projektmanagement | Affirmationen | Capsule Wardrobe. Kein Problem, da habe ich tausend Ideen im Kopf! Zu Deos hatte ich das sogar letztes Jahr auf Instagram angekündigt, da warten sicher ein paar Leute drauf. Ich könnte einen großen Vergleich machen. Oder vielleicht nach Wirkstoffen die Deos unterteilen, also Natron, Triethyl Citrat, andere? Möglicherweise wäre auch die Verpackung/Auftragsart eine tolle Einteilungsmöglichkeit: Roller, Sprays, Cremes, Sticks, Puder? Ich könnte auch farblich sortieren. Mhm, oder ich könnte zu jedem Deo eine eigene Review verfassen, und dann in einem Überblick die Deos miteinander vergleichen und zu den einzelnen Reviews verlinken. Das könnte allerdings etwas einseitig auf dem Blog werden, bei über 20 Deos. Vielleicht doch lieber Lippenstifte? Da habe ich nur ungefähr 10 …

Andererseits habe ich letztens meine Haare unfreiwillig mit Henna honigblond gefärbt, was man nur auf meinen Silberlingen sieht *SCHLUCHTZ*, und ich will meine grauen Haare wiederhaben! Das wäre doch ein topaktuelles Thema: älter werden, graue Haare, Haare färben, sich selbst treu bleiben wollen, die Ent-Täuschung wenn der Ansatz rauswächst, der wundervolle Glanz durch solche kräuterbasierten Haarkuren, dass eben nicht alles nur eine Seite hat und das jeder von uns ein ganz individuelles Wesen mit individuellen Vorlieben ist … Aber da habe ich keine Fotos von. Fotos von pissgelben honigblonden Haarsträhnen will doch keiner sehen. Dennoch: Regina Sonnensprossen hat soo herrlich glänzendes Haar durch das Färben mit Henna, das muss ich unbedingt irgendwo aufgreifen.

Sollte ich nicht ein bischen weniger egoistisch sein? Schließlich ist vor kurzem die Tochter einer Bekannten verstorben. Darf ich da überhaupt so wirr-fröhlich durch meinen Alltag gehen? Osterhasenscherze machen? Vielleicht wäre ein ernster Beitrag auf dem Blog angebracht, aber Sterben & Tod ist wieder so anstrengend zu schreiben, da muss man super vorsichtig sein, um niemand auf die Füße zu treten, da sind viele Leute sehr sensibel. Sensibel geht bei mir grade nicht. Also doch was ganz anderes.

War da nicht unser Osterurlaub in Berlin, der noch ungeplant ist? Da liegt ein Stapel Reiseführer auf dem Wohnzimmertisch, und ich habe meinem Liebsten versprochen, die durchzugehen. Eine Woche Berlin, das wird sicher ziemlich cool, sofern das Wetter mitspielt. Mit Flixbus ist das auch gar nicht so teuer, mein Gott, die Bahn hat wirklich schreckliche Preise. Obwohl, in der Bahn könnte ich mich besser bewegen, und mehrere Stunden in einem Reisebus sind sicher total anstrengend für meinen Rücken. Ich sollte wirklich, wirklich, wirklich! mehr Yoga machen, sonst wird das eine sehr schmerzvolle Woche. Aber wann mache ich Yoga und wie viel? Diese 30-60 Minuten kriege ich zurzeit nicht in meinen Alltag unter, und das ist ja auch zu viel auf einmal für meinen Rücken. Vielleicht schaue ich mir erstmal die DVDs an und entscheide, welche Übungen ich mache. Dann muss ich aber immer die Möbel verrücken, wenn ich jeden Tag Yoga mache, oder die Matte liegt dauerhaft im Wohnzimmer. Unschön.

Spazieren. Spazieren! Ist doch auch gut für den Rücken. Da brauche ich keine DVDs schauen, Möbel rücken (ist sowieso schlecht für den Rücken!), und man kann es immer und überall machen. Okay, draußen regnet es, das dämpft meine Lust etwas. Und vor der Arbeit mag ich das gleich gar nicht. Doch wenn ich wieder so eine tolle Morgenroutine wie 2017 hätte, würde mir das total leicht fallen. Ich stelle schon mal den Wecker auf 05:00 Uhr, morgen ist auch noch ein Tag, da kann ich das alles sicher viel entspannter und leichter durchziehen. Jetzt schau ich erst mal eine Folge Netflix, es gibt diese Serie auf schwedisch, und meine Sprachkenntnisse sacken immer mehr ab, obwohl ich fast mal auf Muttersprachlerniveau war. Hopp, aufs Sofa, Bonusfamiljen anschauen.

 

In den nächsten Tagen möchte ich jeden Tag bloggen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich an dieser Hürde scheitere, doch mein Perfektionismus gepaart mit Prokrastination haben mich gerade fest im Griff. Vielleicht schaffe ich es nur jeden zweiten oder dritten Tag, vielleicht gibt es dann Beiträge ohne coole Fotos, vielleicht auch lange Monologe abwechselnd mit Fotostrecken. Ich weiß es nicht. Das einzige, was ich weiß, ist: ich muss da raus. Tun statt denken. Mein Kopf ist so voll, dass sich das Getriebe ausgeschaltet hat und im Leerlauf dreht. Es müssen Dinge aus meinem Kopf raus, damit wieder Platz ist zum wirklichen, echten Denken. Mich sortieren kann ich am Besten über’s schreiben, was damals – vor fast 5 Jahren – mit ein Grund war, zu bloggen.

 

Der Anfang ist getan, schauen wir mal, was die Zukunft bringt!

9 Comments

Filed under Zeitgeist